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Kultur – selbstverständlich digital. Erfahrungen am Nordkolleg

Das Nordkolleg in Rendsburg hat während der Corona-Pandemie ein digitales Kulturangebot geschaffen: „nordkolleg live“ sendet regelmäßig Darbietungen von Künstlerinnen und Künstlern zu Interessierten nach Hause.

„Wir hatten Konzerte und Lesungen, die wir immer donnerstags um 19:00 Uhr live gestreamt haben. Im Anschluss wurde das aufgezeichnete Streaming bearbeitet und noch einmal auf YouTube veröffentlicht“, berichtet Guido Froese, Leiter des Nordkollegs. „Wir konnten so insgesamt über 2000 Menschen erreichen, das ist für uns eine enorme Reichweite.“

Inzwischen haben die Lockerungen ermöglicht, das Format als Hybrid-Veranstaltung durchzuführen. „In unserem Pavillon können wir 35 Personen platzieren, zusätzlich übertragen wir die Veranstaltung weiterhin live ins Internet.“, so Froese. „Das werden wir auch beibehalten. Wir haben jetzt viele Erfahrungen mit Streaming-Formaten gemacht und wissen, wie es geht. Auf diesem Wege erreichen wir einfach mehr Menschen.“

Auf diese Weise wurden zum Beispiel am 17. Juli die schleswig-holsteinischen Poetry-Slam Meisterschaften im Nordkolleg durchgeführt. „Das war eine besondere Freude für uns!“, kommentiert Froese.

Der Wohnzimmer-Chor war ein weiteres kulturelles Angebot des Nordkollegs, um die Phase der Kontaktbeschränkungen zu überbrücken. Hier konnten alle Interessierten zu einem vorher festgelegten Lied Videos des eigenen Gesangs an das Nordkolleg senden. In Rendsburg wurde dann aus allen eingesandten Videos ein virtueller Chorauftritt zusammengeschnitten und im Internet veröffentlicht.

„Auch hier war die Resonanz groß. Die Videos, die uns zugeschickt wurden, waren so großartig. Zum Teil hatten sich die Sänger verkleidet, wie beispielsweise bei einem Beatles-Song als John Lennon. Zum Teil waren die Auftritte so rührend, dass einem die Tränen kamen“, sagt Froese begeistert.

Einer der Liedbeträge stammte vom Segelschiff Thor Heyerdahl, das zum damaligen Zeitpunkt vor den Bermudas lag. „Da haben wir ein Video bekommen, wie alle Schüler in den Segeln hängen und singen“, erinnert sich Froese. „Beim nächsten Lied des Wohnzimmerchors haben dann alle Eltern der Kinder vom Schiff einen Videobeitrag gesendet.“

Das Projekt Wohnzimmerchor ist inzwischen abgeschlossen, weil der Arbeitsaufwand immens war. Möglicherweise wird es noch vereinzelte Aufnahmen zu besonderen Ereignissen wie beispielsweise Weihnachten geben, klar sei das aber noch nicht. „Aber wir konnten unsere Erfahrungen weitergeben. Viele Musiklehrer von Regelschulen haben angerufen und uns nach der Umsetzung und Durchführung der Idee gefragt“, so Froese.

Ein weiteres digitales Angebot des Nordkollegs ist der bassoon-saloon. Das virtuelle Angebot ersetzt das Fagott-Orchester, dass sich vor Corona regelmäßig im Nordkolleg zum Proben und Spielen traf. Fagott Spielerinnen und Spieler aus der ganzen Welt haben die Möglichkeit, ein vorher festgelegtes Stück auf Video einzuspielen und dem Nordkolleg zuzusenden. Hier wird dann aus allen Einspielungen ein gemeinsamer Orchesterauftritt zusammengeschnitten und im Internet veröffentlicht.

Auch dieses Angebot hat inzwischen über 100 Mitwirkende von fünf Kontinenten erreicht. „Mit einer Geigengruppe wäre das wohl nicht gegangen“, freut sich Froese. „Das Fagott ist ein Instrument, das nicht so weit verbreitet ist. Die Profimusiker sind daher weltweit gut vernetzt und tauschen sich in international zusammengesetzten Gruppen via Facebook aus. Da macht so ein virtuelles Orchester schnell die Runde!“

Guido Froese ist sich sicher: „Ohne die Corona-Pandemie hätten wir so viele Menschen und diese Internationalisierung im bassoon-saloon nicht erreicht. Diese Gruppe werden wir auch weiterhin pflegen.“

Das neu gestartete Kulturhelden-Radio war dagegen schon lange geplant und aufwendig vorbereitet, sogar eine eigene App wurde entwickelt. Der digitale Radiosender gibt Künstler*innen und Bands aus Schleswig-Holstein die Möglichkeit, eigene Sendungen zu gestalten, Musik lokaler Bands zu spielen und auf die Kulturszene in Schleswig-Holstein aufmerksam zu machen.

Alle kulturellen Digital-Angebote konnten für Zuhörer und Zuseher kostenlos angeboten werden. „Wir haben allerdings um eine kleine Spende für unseren Förderverein gebeten, wenn es für die Betreffenden möglich war.“

„Das war insgesamt viel Arbeit, wir mussten uns mit vielen technischen Details erst einmal vertraut machen. Aber es hat sich gelohnt! Der Digitalisierungsschub war enorm und wir haben inzwischen so viele internationale Kontakte, wie wir so sonst nicht erreicht hätten. Trotz der sozialen Distanz gab und gibt es viele nette persönliche Kontakte. Das ist für uns ein echter Lichtblick in der Corona-Zeit“ zieht Froese Bilanz. „Wir bleiben auf jeden Fall dabei.“ (jf)

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