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Weltalphabetisierungstag

Weltweit können 750 Millionen Erwachsene nicht oder nur wenig lesen und schreiben. Auf diese hohen Zahlen will der Weltalphabetisierungstag am 8. September aufmerksam machen, der schon 1965 durch die UNESCO ins Leben gerufen wurde.

In der Bundesrepublik sind es 6,2 Millionen Personen oder 12,1 % der Erwachsenen, deren Lese- und Schreibfähigkeiten so gering sind, dass die Alltagsbewältigung schwerfällt. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Leo 2018-Leben mit geringer Literalität“ der Universität Hamburg.

Bezogen auf Schleswig-Holstein sind es rund 210.000 Erwachsene, die nur wenig lesen und schreiben können. Die Volkshochschulen engagieren sich seit Ende der 70er-Jahre dafür, dass auch Erwachsene Grundbildung erwerben können, und bieten Beratung und Unterricht an.

Wegen der Corona-Pandemie mussten zeitweise auch die vhs-Unterrichtsräume geschlossen werden. „Für Volkshochschulen sind diese Kursangebote ein besonderes Anliegen“, sagt Karsten Schneider, Direktor des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins. „Mit viel Engagement haben sich daher Mitarbeiter und Kursleitende in den vergangenen Monaten um diese Zielgruppe gekümmert.“

Die Arbeit im persönlichen Kontakt aufrecht zu erhalten, ist in den letzten Monaten besonders gut in den fünf Regionalstellen für Alphabetisierung und Grundbildung gelungen. Einerseits über telefonische Beratung und Begleitung, manchmal ganz unkonventionell über das Bürofenster. Anderseits wurde das digitale Lernen ausgeweitet.

„Die freie Zeiteinteilung bei digitalen Lernangeboten ist Chance und Gefahr zugleich. So gab es anfangs schon Zweifel, ob die Umstellung auf das digitale Lernen in den Grundbildungskursen funktioniert. Die Teilnehmenden haben mich eines Besseren belehrt“, berichtet Kursleiterin Adrienne Rausch. So haben Wochenpläne und individuelle Aufgaben auf der Lernplattform der Volkshochschulen gut funktioniert – sofern die Teilnehmenden Zugang zum Internet hatten. „Wir haben weder Ferien noch Feiertag gekannt, sondern die ganze Krisenzeit durchgearbeitet. Es war eine tolle, gegenseitige Motivation“, freut sich Rausch.

Mittlerweile findet der Unterricht wieder in den Volkshochschulen in kleinen Gruppen statt. In Schleswig-Holstein bieten 25 Volkshochschulen Kurse an, in denen Erwachsene lesen und schreiben lernen können – entweder ganz von vorn, oder genau das, was für den Alltag gebraucht wird. Fast alle sind kostenlos oder erheben nur geringe Entgelte. Es gibt noch freie Plätze und seit September besondere Unterstützungsangebote in drei neuen vhs Grundbildungszentren in Itzehoe, Kiel und Lübeck.

Am 08.09.2020 widmet der NDR dem Thema einen Schwerpunkt in der Sendung Von Binnenland und Waterkant: 19–22 Uhr und als Online-Meldung (mit Hörbeitrag).
Professorin Dr. Anke Grotlüschen gab zu diesem Anlass ein Interview zur LEO-Studie für NDR Kultur.

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