Volkshochschulen fordern Bürokratieabbau in der Gesundheitsvorsorge

Gesetzliche Krankenkassen sollen Anerkennung von Präventionskursen vereinfachen

Gesundheitsvorsorge muss breitenwirksamer werden und für alle Menschen zugänglich sein. Deshalb fordert der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) ein vereinfachtes Anerkennungsverfahren für Präventionskurse an Volkshochschulen. Die Anerkennung ist die Voraussetzung dafür, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Gebühren für die Kursteilnahme bezuschussen. Dies würde vielen Menschen die Teilnahme erleichtern. „Studien belegen, dass sozial Benachteiligte größeren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Gerade diesen Menschen sollte der Zugang zu Bewegungs- und Entspannungskursen oder zu Weiterbildung in Fragen gesunder Lebensführung geebnet werden“, sagt der DVV-Verbandsdirektor Ulrich Aengenvoort.

Seit 2014 gibt es die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP), eine Gemeinschaftseinrichtung fast aller gesetzlichen Krankenkassen, die Kurse nach einheitlichem Verfahren zertifiziert. „Das zentrale Verfahren soll die Zertifizierung vereinfachen. Die Volkshochschulen erleben die Zusammenarbeit aber als kompliziert und bürokratisch“, so der Verbandsdirektor.

Dabei sind die Volkshochschulen durchaus zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der ZPP bereit. Für zehn verschiedene Kursthemen hat der DVV bereits Lehrpläne, sogenannte Kursmanuale für Kursleitende und Teilnehmende, erstellt und zertifizieren lassen, unter anderem für Ganzheitliche Rückenschule, Ganzkörper-Training für Herz und Kreislauf, Beckenbodengymnastik, Pilates und Hatha-Yoga.

Damit Krankenkassen den Großteil der Kursgebühren erstatten, muss allerdings jeder einzelne Kurs aufwändig zertifiziert werden. „Angesichts der Vielzahl von Kursen ist der Aufwand für Volkshochschulen unzumutbar“, betont Aengenvoort. Zudem seien nicht alle Prüfkriterien sinnvoll: Volkshochschulen kritisieren die strikten Vorgaben zum Vorgehen im Kurs, zu Kursdauer und Teilnehmendenzahl als nicht sachgerecht. Auch die Anforderungen an die Grundqualifikation der Kursleitungen seien teilweise nicht nachvollziehbar, da sie sich zu sehr an formalen Bildungsabschlüssen orientierten. Langjährige Erfahrung als Dozentin oder Dozent werde hingegen zu gering gewichtet.

„Volkshochschulen bieten in der Gesundheitsvorsorge ein thematisch vielfältiges und von qualifizierten Kursleitungen durchgeführtes Kursangebot an. Ziel der gesetzlichen Kassen muss es sein, dass noch mehr Menschen davon profitieren können“,  so Aengenvoort abschließend.

Volkshochschulen verzeichnen seit vielen Jahren eine große Nachfrage im Programmbereich Gesundheit. 2016 belegte jeder dritte VHS-Besucher einen Gesundheitskurs. Besonders beliebt sind Bewegungsangebote, Entspannung und gesunde Ernährung. Diese gesundheitsfördernden Kurse können Volkshochschulen wohnortnah, flächendeckend und kostengünstig anbieten.

Volkshochschulen arbeiten nach anerkannten Qualitätsmanagementverfahren und werden extern zertifiziert. Ins Kursprogramm werden bevorzugt Angebote aufgenommen, deren gesundheitlicher Nutzen wissenschaftlich belegt ist. Aus diesen Gründen schätzen Krankenkassen seit vielen Jahren das Kursangebot und die gute Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen im Bereich der individuellen Prävention. Auch die Volkshochschulen möchten den Versicherten ein variantenreiches, zuschussfähiges und bedarfsgerechtes Angebot vorhalten.

Um Volkshochschulen eine breite Beteiligung am Zertifizierungsverfahren für Präventionskurse zu ermöglichen, sollte die Kooperationsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen das Verfahren einfacher, unbürokratischer und transparenter gestalten.

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27.04.2017 14:12 Alter: 87 Tage