Gemeinsam Gesellschaft bilden – Integration gestalten

Jahrestagung der Volkshochschulen und Bildungsstätten

Die Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Landesverbandes der Volkshochschulen steht dieses Jahr ganz im Zeichen der Integration. Die systematische und professionelle Sprachförderung der Volkshochschulen für Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten und Asylsuchende, die in enger Abstimmung mit dem Land erfolgt, legt den Grundstein für die Integration der Zugewanderten. Die Volkshochschulen und Bildungsstätten haben hier eine Schlüsselrolle.

„Ohne den beachtlichen Einsatz unserer Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen wäre es kaum möglich gewesen, so viele Menschen in Deutschkursen unterzubringen“, so Wolfgang J. Domeyer, Vorsitzender des Landesverbandes. „Aber das ist nur der erste Schritt: Durch qualifizierte Prüfungen professioneller Anbieter können die Betreffenden ihre berufliche Sprachkompetenz auf höchsten Niveaustufen nachweisen, wie beispielsweise den Deutsch-Test für Mediziner auf C1 Niveau. So versetzen wir die Zugewanderten in die Lage, auch beruflich in Deutschland Fuß zu fassen und sich weiter zu integrieren.“

Anlässlich ihrer Jahrestagung legen die Volkshochschulen als die größte Erwachsenenbildungseinrichtung in Schleswig-Holstein die Leistungszahlen des vergangenen Jahres vor. Im Jahr 2015 besuchten über 270.000 Menschen über 26.000 Kurse an Volkshochschulen in Schleswig-Holstein und absolvierten rund 650.000 Unterrichtsstunden in den Einrichtungen. Damit konnte in der Erwachsenenbildung insbesondere auf Grund der Deutschkurse ein deutlicher Anstieg verzeichnet werden.

„Volkshochschulen sind traditionell schon immer Orte der Begegnung gewesen, an denen Menschen miteinander lernen, gemeinsam gestalten und miteinander ins Gespräch kommen. Denn unsere Aufgabe ist es, das Bildungsbedürfnis aller Bürger aufzugreifen, egal welchen Alters, welchen Bildungsabschlusses, welches Geschlechts oder welcher Herkunft. So bilden unsere Einrichtungen das Zentrum für den notwendigen Diskurs zwischen Einheimischen und Zugewanderten; indem sie Raum geben für die Frage, wie die Gesellschaft aussehen soll, in der wir zukünftig leben wollen. Aus diesen Erfahrungen heraus wollen wir unseren Beitrag leisten für eine gelingende Integration“, meint Monika Peters, Direktorin des Landesverbandes. „Das kostet sicherlich Mut, weil es auch bedeutet, das vermeintlich Fremde in das eigene Leben zu integrieren. Aber in unseren Einrichtungen wird täglich bewiesen, dass es funktioniert. Auf der Jahrestagung und Mitgliederversammlung wollen wir uns darüber austauschen, wie dieser konstruktive Diskurs aus unseren Mitgliedseinrichtungen eine noch breitere Öffentlichkeit finden kann.“

Ein breites Kurs- und Veranstaltungssortiment für alle
Die Volkshochschulen und Bildungsstätten tragen dazu bei, dass Integration beim Sprachelernen nicht aufhört. Volkshochschulen sind Orte der Integration: Orte, in denen Menschen voneinander und miteinander lernen und gemeinsam gestalten. Dort kommen diejenigen, die schon lange in Schleswig-Holstein leben, und diejenigen, die neu ankommen, zusammen.
Volkshochschulen und Bildungsstätten bieten ein sehr weit gefächertes Angebot, in dem Begegnungen und Diskurse stattfinden und Talente erlebt und ausgebaut werden können.

Einige Beispiele:

  • Der TalentCampus, ein Projekt im Bundesprogramm „Kultur macht stark“, richtet sich an bildungsbenachteiligten Kinder und Jugendliche. Für minderjährige Flüchtlinge, die nicht regelmäßig eine Schule oder eine DaZ-Klasse in einer öffentlichen Schule besuchen können, gibt es ebenfalls die Möglichkeit, das Lernen mit kreativ-kultureller Tätigkeit zu verbinden.
  • Die Vorbereitungskonferenz der ersten Jungen-Islam-Konferenz in Schleswig-Holstein fand in der Bildungsstätte Scheersberg statt. Dort diskutierten über 30 junge Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion über Identität, Zugehörigkeit und Heimat.
  • VHS bringt Wirtschaftsförderung, Mittelstandsvereinigung und Arbeitsagentur zusammen wie im Job-Café in Wedel.

Unterstützung von Ehrenamt
Die Professionalität der Volkshochschulen und Bildungsstätten wird ergänzt durch das großartige ehrenamtliche Engagement, das von unzähligen Menschen in den Kommunen getragen wird. So entstehen Treffpunkte, Begegnungen, Fahrradwerkstätten oder Nähstuben. Ehrenamtliche helfen den Zugezogenen, sich in Deutschland zurecht zu finden und die deutsche Sprache im Alltag anzuwenden. Unterstützung, Tipps und Austausch finden sie in vielen Volkshochschulen und online.

Voneinander wissen – miteinander leben
Sprache ist der Einstieg für ein Leben in Deutschland. Zur Verständigung gehört die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen sowohl für die Zugewanderten wie auch für die aufnehmende Gesellschaft. Das Voneinander-Wissen ist Voraussetzung für das Miteinander-Leben.

Darüber hinaus wird es einen großen Bedarf an Angeboten zur beruflichen Qualifizierung, zur Grundbildung und zum nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen geben. Das betrifft ebenso deutschsprachige Jugendliche und Erwachsene. Erforderlich ist ein bedarfsorientiertes, koordiniertes Grundbildungsangebot, das für alle Menschen mit Alphabetisierungs- und Grundbildungsbedarf unabhängig von ihrer Herkunft offensteht, und das möglichst kostenfrei in jedem Alter bis zu den angestrebten Schulabschlüssen geht.

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16.06.2016 13:10 Alter: 282 Tage